Fortbildung für Ansprechpartner*innen von Selbsthilfegruppen

Stuhlkreis mit Notizzetteln und Stiften auf dem Boden
17:00 - 18:30

Am 21.09. findet von 17:00 Uhr bis 18:30 Uhr die Fortbildung mit dem Thema „Erstkontakt am Telefon mit Interessenten für Selbsthilfegruppen“ statt. Gerade in den aktuellen Zeiten mit Einschränkungen durch die Coronapandemie, treffen sich Selbsthilfegruppen gar nicht oder nur eingeschränkt. So ergibt sich das Problem, dass Interessierte vertröstet werden müssen und evtl. Anfragen nicht befriedigend beantwortet werden können. Wie gehe ich mit so einer Situation um? Wie kann ich evtl. trotzdem weiterhelfen? Welche Alternativen gibt es? Diese und weitere Fragen werden im Seminar bearbeitet

Anmeldung über das Selbsthilfebüro. Ob das Seminar Vorort stattfindet oder als Online-Seminar wird Anfang September entschieden.

Folgende Handreichung soll die Grundlage sein:

 

Hallo, kann ich Sie etwas fragen?

Erstkontakt am Telefon mit Interessenten für Selbsthilfegruppen

Menschen, die sich an Selbsthilfegruppen wenden, haben manchmal gar keine so genaue Vorstellung, was eine Selbsthilfegruppe ist. Manchmal sind auch die Anliegen, die an die Gruppe gerichtet werden diffus.

Vielleicht ist es in den letzten Wochen, in denen die Coronapandemie Gruppentreffen verhindert hat, noch schwieriger geworden diesen Menschen ein guter Zuhörer und Ratgeber zu sein.

Die Pandemie wird uns noch eine Zeit lang begleiten, d. h. dass Menschen, die aufgrund ihrer Erkrankung zur Hochrisikogruppe gehören, sehr gut abwägen müssen, ob sie bereit sind sich persönlich zu treffen. Vielleicht hat die Gruppe auch entschieden, dass in naher Zukunft keine Gruppentreffen stattfinden können oder nur eingeschränkt am Telefon oder per Videokonferenz. 

Was bedeutet das für den ersten Kontakt mit jemanden, der Unterstützung bei einer Selbsthilfegruppe sucht? Wie kann es gelingen, jemanden  einzubinden, Mut und Hoffnung zu vermitteln und den Kontakt aufrecht zu halten?

 

Grundsätzliches:

Es ist gut, sich in die Person gegenüber hineinzudenken, mit welcher Erwartung/Haltung kommen die Menschen: Bei dieser ersten Kontaktaufnahme treffen zwei fremde Menschen aufeinander – am Telefon.

Mögliche Erwartungen/Hintergrund der anrufenden Person:

  • ängstlich/unsicher
  • verzweifelt
  • verunsichert
  • Hoffnung
  • Erwartungsvoll
  • Einfach mal anrufen – was gibt es dort für mich?
  • Selbsthilfegruppen – gute Erfahrung gemacht, von anderen gehört
  • Corona, sorgenvoll, ungewiss, unsicher, einsam

 

Rahmenbedingungen für das Gespräch:

Vor dem Gespräch für sich klären: In welcher Situation befinde ich mich? (allgemein, bzgl. Corona)

Die Rahmenbedingungen anschauen (Ort, Zeitpunkt, Materialien vorhanden?). Habe ich aktuell die zeitlichen Ressourcen für ein längeres Gespräch oder mache ich das Angebot für ein zeitnahes Telefongespräch.

Bin ich alleine im Raum und kann ungestört telefonieren?

Wer ist am Telefon: Namen erfragen – Anonymität akzeptieren.

In welcher Rolle ist das Gegenüber: Betroffen, Angehöriger

Um welches Krankheitsbild handelt es sich?

Aktuelle Stand der Behandlung (ganz am Anfang, Behandlung abgeschlossen, Reha hinter sich)?

Gibt es einen aktuellen Auslöser für den Anruf (Notsituation, Verschlechterung,  besondere Fragen zur Erkrankung aufgekommen, Unzufriedenheit mit der medizinischen Behandlung, Wunsch sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen)

Anruf aufgrund der gesellschaftlichen Situation durch die Coronapandemie? Wie geht die anrufende Person mit Krisen um?

Der Person zuhören, auch wenn ich ihr aktuell vielleicht nicht aktiv helfen kann (manchmal reicht das für den ersten Moment).

Ist der anrufenden Person bewusst, was Selbsthilfegruppen sind und dass ein Betroffener am Telefon sitzt, keine Fachleute?

Welche Unterstützung hat die anrufende Person bei der Bewältigung der aktuellen Lebenssituation?

Wie geht es mir selbst in der derzeitigen Situation? (Eigenreflektion ist wichtig, da ich meine eigenen Sorgen auf die anrufende Person spiegeln könnte).

 

Konkrete Hilfestellungen:

Die besondere aktuelle Situation für die Selbsthilfegruppen beschreiben, (momentan eingeschränkte Gruppentreffen, teilweise Austausch per Videokonferenz oder Telefon oder in Kleinstgruppen)

Ist Kontakthalten bei der anrufenden Person gewünscht? Möchte sie ihre Kontaktdaten hinterlegen?

Klarheit schaffen wie man Kontakt hält (in Verteiler für Informationen aufnehmen, weiterer Anruf in einem bestimmten Zeitraum, der Anrufer meldet sich wieder…)

 

Verabschieden:

Die Vereinbarung zusammenfassen, Perspektive aufzeigen (unter welchen Voraussetzungen kann die Gruppe wieder zusammenkommen, wann ist evtl. das nächste Gruppentreffen), Ausblick auf ein weiteres Telefonat?

Welche weitergehenden Hilfsangebote kommen in Frage:  Fachstellen, Fachärzte, Unterstützungsstellen – Telefonnummern, Adressen bereithalten.

 

 

Nach dem Gespräch

  • Instrumente zur Abgrenzung und gesunden Selbstreflexion
    • Wie verlief das Gespräch?
    • Was ist gut gelungen? Was ist noch offen?
    • An welchen Stellen habe ich bei mir eine Reaktion/ Resonanz wahrgenommen?
    • Wofür bin ich verantwortlich?
    • Was habe ich nicht in der Hand?
    • Was ist außerhalb meines Einflusses?
  • Selbstfürsorge
    • Wie kann ich für mich sorgen?
    • Was tut mir in diesen außergewöhnlichen Zeiten gut?
  • To Do´s: E-Mail, Vermittlung, Post?
    • Welche weiteren Aufträge kann und will ich übernehmen?
    • Welche liegen außerhalb der Betroffenenkompetenz?

 

Anmeldung

Haben Sie Interesse sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen? Dazu haben Sie am 21.09.2020 die Möglichkeit bei uns eine Fortbildung zu machen.
Die Rahmenbedingungen sind noch nicht geklärt (Online-Seminar oder Vorort). Sie können sich jedoch gerne schon anmelden und wir informieren Sie zeitnah.

Anmeldungsformular